LEBEN UND WERKCHRONIK UND BIOGRAFIE VON ADI & KÄTHE DASSLER

1900 - 1919: Kindheit und Jugend in Herzogenaurach

Adolf Dasslers Lebensspur beginnt am 3. November 1900. Christoph und Pauline Dassler waren zum vierten Mal Eltern geworden. Die älteren Geschwister hießen Fritz (Jg. 1892), Marie (Jg. 1894) und Rudolf (Jg. 1898). Um 1900 lebte die Familie Dassler in Herzogenaurach, ein Dorf im Mittelfränkischen welches annähernd 4.000 Einwohner zählte. Geld zum Leben verdienten die Herzogenauracher hauptsächlich in den zahlreichen Schuhfabriken im Dorf.

Im Haus »Am Hirtengraben« betrieb Mutter Pauline eine kleine Wäscherei und Büglerei. Adi unterstützte seine Mutter, indem er Wäsche austrug. Durch den Vater, Christoph Dassler, der in einer der Herzogenauracher Schuhfabriken sein Geld verdiente, öffnete sich für Adolf aber der Blick auf eine noch andere Arbeitswelt: die der Schuhe.

1913 schloss Adolf, den seine Freunde meist Adi nannten, die Volksschule ab und nahm auf Wunsch des Vaters eine Bäckerlehre auf. Doch Adi sah seine Zukunft nicht in der Backstube. Sein Herz hing am Sport. Diese Liebe teilte er mit seinem Jugendfreund Fritz Zehlein. Adi Dassler und Fritz Zehlein - zwei wahre Sportsfreunde, deren Begeisterung zahlreichen Sportarten wie Leichtathletik, Fußball, Boxen, Eishockey, Speerwerfen, Skifahren und Skispringen galt. Und so schlüpften sie in ihrer Freizeit nicht selten in die Rolle des Sprinters, des Stürmers oder des Kämpfers. Kein Wunder, dass der Bäckerberuf hier nicht mithalten konnte. Mit Ende der Ausbildung war für Adi die familiäre Pflicht erfüllt. 

Adolf Dassler in seinen Jugendjahren

Adolf Dassler in seinen Jugendjahren

1920 - 1922: Erfindergeist und erste Schuhproduktion

Adi Dassler, der selbst ein vielseitig interessierter und aktiver Sportler war, war auch ein genauer Beobachter. Er erkannte, dass es den Sportlerinnen und Sportlern in ihren jeweiligen Disziplinen an spezifischem Schuhwerk fehlte. In Adis Augen ein Nachteil. Seine Überlegung: Würde ein Athlet genau die Schuhe tragen, die sich zu seiner Sportart fügten, ließe sich das ganz sicher an seiner sportlichen Leistung ablesen. In Adi erwachte die Idee, die sein Leben prägen und den Sport verändern sollte: »Die Sportwelt braucht, auf die einzelne Disziplin abgestimmte, professionelle Schuhe«. Adi war fest davon überzeugt, dass sich der Erfolg mit dem richtigen Schuhwerk steigern ließe. Fortan würde er den Athleten helfen, bessere Leistungen zu erzielen.

Doch zunächst rief wieder einmal die Pflicht. In den letzten Monaten des Ersten Weltkriegs im Juni 1918 musste Adi, noch keine achtzehn Jahre alt, einrücken. Bis zum Oktober 1919 dauerte sein Militärdienst. Bei seiner Rückkehr war seine Idee vom spezifischen Sportschuh soweit gereift, dass er sofort die Waschküche seiner Mutter zur Werkstatt umfunktionierte. Ab 1920 begann er, zusammen mit dem erfahrenen Schuhmacher Karl Zech, dort, wo bisher gewaschen und gebügelt wurde, Turnschuhe und Sandalen zu entwickeln.

Nach dem Ersten Weltkrieg steckte Deutschland in einer wirtschaftlichen Krise. Gegen eine erfolgreiche Unternehmensgründung sprach die Vernunft. Woher sollten in Notzeiten die Aufträge und woher das Material für die Schuhe kommen? Um Geld zu verdienen, reparierte Adi einstweilen Schuhe für die Bewohner Herzogenaurachs. Und um produzieren zu können, sammelte er sämtliche Materialien aus alten Militärbeständen, die er in der Gegend finden konnte, ein. Aber nicht nur Material war knapp, auch die Stromversorgung war in Deutschland nach dem Krieg sehr unzureichend. Doch Adi bewies Erfindergeist: Mit Riemen befestigte er eine Lederfräse an einem mit Holzbalken fixierten Fahrrad. Der erste Mitarbeiter, Josef (Sepp) Erhardt, trat in die Pedale, um die »Fahrrad-Fräse« anzutreiben.

Adi verschickte Muster seiner Schuhe an die Sportvereine in der Gegend, um die Verantwortlichen von der Qualität seiner Produkte zu überzeugen. Sie dankten es ihm mit zahlreichen Bestellungen. In stundenlanger Feinarbeit entwickelte Adi seine Schuhmodelle weiter und testete sie auch selbst.

Adi ist ein begeisterter Leichtathlet, hier bei einem Zieleinlauf 1935

Adi ist ein begeisterter Leichtathlet, hier bei einem Zieleinlauf 1935

Die erste Maschine in Adi Dasslers Schuhproduktion: die »Fahrrad-Fräse«, heute ein Museumsstück

Die erste Maschine in Adi Dasslers Schuhproduktion: die »Fahrrad-Fräse«, heute ein Museumsstück

1923 - 1927: Gründung der Gebrüder Dassler Sportschuhfabrik

Adis um zwei Jahre älterer Bruder Rudolf ging zunächst seinen eigenen Weg und machte eine Ausbildung zum Polizisten.  Kurz nach seiner Ausbildung, am 1. Juli 1923, nahm ihn Adi in seinem noch jungen Unternehmen auf. Ab diesem Zeitpunkt nannten die Brüder ihr Geschäft »GeDa - Gebrüder Dassler Sportschuhfabrik« und liessen dieses am 1. Juli 1924 ins Handelsregister eintragen. Ihren Stärken gemäß verteilten sie die Aufgaben im Haus: Adi, mit seiner Liebe zum Sport, übernahm die technische Leitung, Rudolf den kaufmännischen Bereich. Das Brüderpaar schien sich perfekt zu ergänzen. Adi war der ruhige, auf die Sache konzentrierte Tüftler, Rudolf mehr der extrovertierte Verkäufer. In den ersten beiden finanziell schwierigen Jahren produzierten ein Dutzend ihrer Arbeiter rund 50 Paar Schuhe am Tag, darunter erste Fußballschuhe mit Lederstollen und Laufschuhe mit Spikes. 1926 stieg die Nachfrage deutlich an und die wirtschaftlich problematische Zeit war gemeinsam überstanden. Nun war aber die elterliche Waschküche zu klein geworden und Adi und Rudolf entschlossen sich, die leerstehenden Fabrikräume eines Herzogenauracher Unternehmens direkt am Bahnhof zu übernehmen. Am zweiten Standort montierten sie neue Maschinen und schafften auch mehr Arbeitsplätze; ab jetzt fertigten 25 Mitarbeiter täglich 100 Paar Schuhe. 

Die Schuhfabrik in der Nähe des Bahnhofs von Herzogenaurach im Jahr 1928

Die Schuhfabrik in der Nähe des Bahnhofs von Herzogenaurach im Jahr 1928

1928 - 1936: Olympische Erfolge und Heirat mit Käthe

Im Jahre 1928 fanden die Olympischen Sommerspiele in Amsterdam statt. Beim großen Fest des Sports wollte Adi unbedingt dabei sein; und zwar mit Schuhen aus seiner Fabrikation. Er war fest entschlossen, diese Weltbühne zu nutzen, um zu beweisen, dass die Spitzenathleten mit dem richtigen Schuh noch schneller laufen, noch höher springen und noch mehr Lorbeeren gewinnen könnten. Adi schenkte der deutschen Leichtathletin Lina Radke von ihm gefertigte Laufschuhe mit je sechs Spikes. Damit ging sie an den Start - und nach nur 2:16,8 Minuten sollte auch für Adi eine neue Zeitrechnung anbrechen. Lina Radke war Weltrekord gelaufen. Mit ihrer 800-Meter-Goldzeit hatte sie aber auch Adis Theorie bewiesen und die ganze Welt hatte es gesehen: höher, schneller, weiter war mit Schuhen aus der Dassler-Schmiede möglich. Damit sah sich Adi in seinem »Olympischen Gedanken«, dass der Sportler mit dem richtigen Schuh mehr Leistung zu erbringen vermochte, bestätigt.

1929 schlossen die beiden Brüder einen Gesellschaftsvertrag ab, welcher die Rechte und Pflichten beider Gesellschafter festlegt sowie die Nachfolge regelt. Es wurden erste Patente angemeldet. Ab 1930 wirkte Josef Waitzer bei der Entwicklung der Dassler-Schuhe mit. Als Reichstrainer und ehemaliger Leichtathlet brachte er viel Fachwissen und Erfahrung mit ein. Adi Dassler und Josef Waitzer verfolgten – jeder auf seine Weise – das gleiche Ziel: Waitzer wollte die deutschen Leichtathleten zu großen Erfolgen führen und Adi wollte weitere Beweise sammeln, dass Sportler mit seinem Schuhwerk besser waren als die Konkurrenz ohne Dassler-Schuh.

Die nächsten Olympischen Spiele fanden 1932 in Los Angeles statt. Mehr Athleten denn je gingen mit Dassler-Schuhen in die Wettkämpfe. Im selben Jahr hatte sich Adi entschlossen, die Schuhfachschule in Pirmasens zu besuchen. In der Schuhstadt vertiefte er nicht nur seine Kenntnisse in Schuhtechnik, Betriebstechnik und Modellgestaltung, er lernte auch seine große Liebe Katharina (Käthe), die Tochter des renommierten Pirmasenser Leistenherstellers Franz Martz, kennen. Käthe und Adi heirateten am 17. März 1934.

Kurze Zeit später folgte ihnen Käthes Schwester Marianne nach Herzogenaurach. Sie arbeitete fortan im Dassler´schen Unternehmen mit und unterstützte Käthe zeitweise auch bei der Betreuung des Nachwuchses. Zu tun gab es reichlich, denn Adi und Käthe wurden Eltern von fünf Kindern: Horst als Erstgeborener und einziger Sohn (1936), gefolgt von Inge (1938), Karin (1941), Brigitte (1946) sowie der jüngsten Tochter Sigrid (1953).

1936, anlässlich der Spiele in Berlin, konnte Adi seine Schuhe zum ersten Mal im eigenen Land der ganzen Welt präsentieren. So wurden die Olympischen Spiele in der Reichshauptstadt zum Sprungbrett für das Unternehmen. Adi stattete zahlreiche Athleten aus verschiedensten Nationen aus. Der Amerikaner Jesse Owens, der in den Rennschuhen der Gebrüder Dassler vier Goldmedaillen gewann, lief die Rennen seines Lebens. Der Schuh, mit niedrigem Schaft, verfügte über speziell angeordnete Dornen. Die Sportwelt jubelte und Adi hatte die Weltbühne in eindrücklicher Manier genutzt: nicht weniger als 2 Welt- und 3 Olympiarekorde sowie 7 Gold-, 5 Silber- und 5 Bronzemedaillen wurden in Dassler-Schuhen errungen.

Josef Waitzer (mitte), zusammen mit Rudolf (links) und Adi (rechts)

Josef Waitzer (mitte), zusammen mit Rudolf (links) und Adi (rechts)

In seinen weissen Rennschuhen der Gebrüder Dassler ist Jesse Owens 1936 in Berlin der gefeierte Leichtathletik-Star

In seinen weissen Rennschuhen der Gebrüder Dassler ist Jesse Owens 1936 in Berlin der gefeierte Leichtathletik-Star

Adi und Käthe Dassler während ihrer Flitterwochen nach ihrer Heirat im Jahr 1934

Adi und Käthe Dassler während ihrer Flitterwochen nach ihrer Heirat im Jahr 1934

Postkarte Josef Waitzer an Gebrüder Dassler

Erfahrungsaustausch per Postkarte

Regelmässig berichtete Josef Waitzer mit Briefen und Postkarten an die Gebrüder Dassler von den Erfahrungen der Sportler mit den Rennschuhen

Hamburg, 4/6.32

Sehr geehrte Herren! Gestern lief die 4 x 100 m Staffel in der Besetzung Köring, Lauers, Borchmeyer, Jonath. Borchmeyer ist sehr zufrieden. Jonath zeigte mir seine Schuhe (von uns), tadellos in Ordnung, nur die Dornen schon abgenützt. Die dünnen finnischen Dornen schleifen sich auf harten Bahnen sehr schnell ab. Recknagel muss sie noch besser härten oder wir müssen die Dornen auch bei den leichten Sprinterschuhen etwas kräftiger machen. Fahre heute nach Bochum, wo ich mit den besten Sprintern zusammentreffe. Schreibe dann weiteres.

Beste Grüsse Ihr
Waitzer

Ein typischer Sonntag Nachmittag bei den Dasslers

Diese Original-Aufnahmen aus dem Jahre 1941 zeigen Adi gemeinsam mit Sohn Horst und Bruder Fritz beim Sport im Garten. 

1937 - 1945: Nazi-Deutschland und Kriegsjahre

Kurz nach der Übernahme der politischen Macht durch die NSDAP im Jahre 1933 sahen sich Adi und sein Bruder Rudolf dazu gedrängt, der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei beizutreten. Es waren wirtschaftliche Gründe, vor allem aber die Sorge um die Arbeitsplätze der über hundert Mitarbeiter, die sie zu diesem Entschluss kommen ließen. Sich zu widersetzen, hätte bedeutet, negative Folgen für das Unternehmen und die Belegschaft in Kauf zu nehmen. Adi konnte der sogenannten »Bewegung« nichts abgewinnen, war auch nie politisch tätig. Es war der Sport, der für ihn zählte. Hier brachte er sich als Fachmann ein, zum Beispiel als Sportwart der lokalen Hitlerjugend in Herzogenaurach. Sein einziges Ziel aber war es, Sportler zu unterstützen, völlig unabhängig von ihrer politischen, religiösen oder ethnischen Herkunft. Dass er 1936 in Berlin, vor den Augen der NS-Führung, den Afroamerikaner Jesse Owens mit Schuhen der Gebrüder Dassler ausstattete, zeugt von Adis politischer Distanz.

1938 eröffneten Adi und Rudolf an der Würzburger Straße in Herzogenaurach einen weiteren Fabrikationsbetrieb, da die Nachfrage nach Sportschuhen in Folge der Olympischen Spiele von Berlin angestiegen war. Jetzt produzierten 118 Mitarbeiter 1.000 Paar Schuhe pro Tag - für elf verschiedene Sportarten. Dann der Rückschlag: Der Zweite Weltkrieg bremste den sportlichen und wirtschaftlichen Erfolgskurs der Brüder und brachte ihn zweitweise fast zum Stillstand. Mit Beginn des Krieges 1939 mussten Adi und Rudolf zunächst zur Musterung erscheinen und ab Mitte Juli 1940 hatte Adi als Funker seinen Dienst bei der Luftwaffe anzutreten. Aufgrund der kriegsbedingten, stark rückläufigen Produktion, legten die Brüder den sogenannten »Betrieb II« an der Würzburger Straße wieder still. Am 23. Januar 1941 war Adi vom Wehrdienst zurückgestellt worden und die Dassler-Brüder erhielten den Auftrag, monatlich 10.500 Paar Sportschuhe herzustellen; ein Auftrag der Wehrmacht.

Der Konflikt: Schon zu Beginn der 1940er-Jahre waren die Brüder über geschäftliche Angelegenheiten unstimmig. Für Adi stand die Schuhentwicklung an oberster Stelle, bei seinem Bruder der Gewinn und die Profitabilität des Unternehmens. Mit dem Einzug von Rudolf ins Militär spitzte sich der Zwist 1943 zu. Rudolf war der Ansicht, dass Adi nicht über das nötige kaufmännische Geschick verfüge, um das Unternehmen zu führen. Während seiner Abwesenheit wollte er über jede geschäftliche Entscheidung informiert werden und dazu seine Frau Friedl als seine Stellvertreterin im Unternehmen einsetzen. Adi lehnte die Forderungen seines Bruders ab. Sie widersprachen der zuvor gemeinsam beschlossenen Abmachung, wonach der Zurückbleibende die Arbeit beider Inhaber übernehmen sollte. Der Streit, der sich in zahlreichen Briefwechseln mit zunehmend feindlichem Ton abspielte, nahm ein irreparables Ausmaß an. Das Band zwischen den Brüdern schien zerschnitten, die Trennung nur eine Frage der Zeit.

Während der Kriegsjahre - und ungeachtet des brüderlichen Streits - setzte sich Adi mit Elan für die Weiterführung des Betriebes ein, vor allem um seine weiblichen Angestellten, deren Männer beim Militär waren, nicht entlassen zu müssen. 1943 war die Gebrüder Dassler Sportschuhfabrik das einzige Unternehmen, das in Deutschland noch Sportschuhe herstellte. Aber die Rohstoffe, vor allem das Leder, wurden knapp und immer mehr Angestellte zum Kriegseinsatz gerufen; die Erfüllung der Produktionsaufgabe war gefährdet. Und auch für die Wehrmacht stand die Fertigung von Sportschuhen nun hinten an, die Rüstungsindustrie hatte Vorrang. Am 28.10.1943 gab Albert Speer, Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion, den »Erlaß über die Aufgabenverteilung in der Kriegswirtschaft« aus. Die Anordnung führte noch am selben Tag zur Stilllegung der Gebrüder Dassler Sportschuhfabrik. Adi verdächtigte Rudolf, die Stilllegung veranlasst zu haben, um damit Adis Einberufung in den Krieg zu bewirken. Jetzt wurden die Maschinen und das Personal der Gebrüder Dassler für die Rüstungsproduktion umfunktioniert. Im Auftrag lokaler Unternehmen stellten Adi und seine Angestellten von November 1943 bis Kriegsende Einzelteile für die Rüstungsindustrie her.

Der »Betrieb II« an der Würzburger Strasse, der 1938 in Betrieb genommen wird

Der »Betrieb II« an der Würzburger Strasse, der 1938 in Betrieb genommen wird

Brief von Adi Dassler an die Gemeinschaft Schuhe
Brief von Adi Dassler an die Gemeinschaft Schuhe
Kundenbrief bzgl. Betriebsstilllegung
Kundenbrief bzgl. Betriebsstilllegung

1945 - 1947: Nachkriegszeit

Für Adi, Rudolf und ihre Familien begannen im Mai 1945 die zwei schwierigsten Jahre. Adi bemühte sich ab Ende des Zweiten Weltkrieges auch weiterhin, den Betrieb und die Sportschuhproduktion am Leben zu erhalten. Interessiert war daran auch die US-Regierung, denn die Amerikaner strebten die wirtschaftliche Genesung Deutschlands an. Dank der Beziehungen zu amerikanischen Offizieren, die seit dem 16. April 1945 im Haus der Dassler-Familien wohnten, gelangte Adi an Materialien, die zur Schuhherstellung geeignet waren, wie etwa Gummi-Textilmaterial, Flugzeugtanks, Zeltplanen oder Schlauchboote. Kein Leder zwar, aber brauchbar. Trotzdem konnte Adi die Fabrik 1946 nicht vor einer Krise bewahren. Im Entnazifizierungsverfahren wurde er zunächst als »belastet« eingestuft und enteignet. Doch dann gelang es ihm zu beweisen, dass er nie politisch aktiv gewesen war. Zum Glück machten eine Vielzahl von Mitarbeitern sowie angesehene Mitbürger Herzogenaurachs Aussagen, die ihn entlasteten. Ein Freund Adis jüdischer Abstammung sagte eidesstattlich aus, dass ihn Adi bei sich aufnahm und vor den Nationalsozialisten schützte. Am 30. Juli 1946 wurde Adi mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren als »minderbelastet« eingestuft und das Unternehmen konnte seinen Betrieb - anfangs unter Aufsicht eines Treuhänders - wiederaufnehmen. Am 22. September 1946 wurde Adi nur noch als »Mitläufer« eingestuft. Einige Monate später, im Februar 1947, konnte er die Geschäfte wieder als Inhaber führen.  

Urteil Minderbelasteter
Urteil Minderbelasteter
Aufhebung Treuhänderschaft
Aufhebung Treuhänderschaft

1948 - 1949: Trennung der Brüder und Geburtsstunde der drei Streifen

1948 geschah, was sich lange angekündigt hatte: Adi und sein Bruder Rudolf entschlossen sich, getrennte Wege zu gehen. Es war die Konsequenz aus jahrelangen Streitereien. Außerdem warf Rudolf seinem Bruder vor, er habe seine rund einjährige Internierung im Jahr 1945 veranlasst, was Adi abstritt und widerlegen konnte.

Es kam zum Bruch: Charakterliche Unterschiede und grundsätzlich verschiedene Auffassungen, wie ein Betrieb zu führen sei, waren zur Gefahr für das Unternehmen geworden. Nach ihrer Trennung sprachen die Brüder auch privat nicht mehr miteinander. Adi behielt das Werk am Bahnhof, Rudolf übernahm die Fabrik an der Würzburger Straße und gründete die Firma Puma. Rund zwei Drittel der Mitarbeiter entschied sich bei Adi zu bleiben, viele davon waren in der Entwicklung und Produktion beschäftigt.

Adi gab seinem Unternehmen zuerst den Namen: »Adolf Dassler - Spezialsportschuhfabrik addas«. Als er die Firma am 18. August 1949 ins Handelsregister eintragen ließ, fügte er im Formular handschriftlich ein i ein. Die Bezeichnung »addas« hatte zu große Ähnlichkeit mit einer bestehenden Firma für Kinderschuhe.

Bereits ein Jahr zuvor hatte Adi einen Fußballschuh entwickelt, der seitlich drei parallel angebrachte Riemen zeigte, die zur Stabilisierung von Schuh und Fuß beitragen sollten. Was als technische Weiterentwicklung angedacht war, brachte zusätzlich einen großartigen Wiedererkennungseffekt und die drei Streifen sollten zum Markensymbol werden. 

Von den einstigen Backsteinen ist nichts mehr zu sehen. Die adidas-Schuhfabrik in den 1950er-Jahren

Von den einstigen Backsteinen ist nichts mehr zu sehen. Die adidas-Schuhfabrik in den 1950er-Jahren

Gewerbeanmeldung ad(i)das
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Eine der ersten Werbekarten von adidas

Eine der ersten Werbekarten von adidas

1950 - 1953: Gastfreundschaft und Käthes Engagement

Als die Wirren des Zweiten Weltkrieges überwunden und die Trennung der Brüder vollzogen war, begann ein neues, erfolgreiches Jahrzehnt. Käthe widmete sich vermehrt dem Unternehmen ihres Mannes und wirkte vor allem im kaufmännischen Bereich an dessen Aufblühen mit. Doch Adi und Käthe bildeten nicht nur die Führungsspitze eines immer schneller wachsenden Unternehmens, von Sportlern und Händlern wurden sie zeit ihres Lebens auch als herzliche Gastgeber geschätzt. Sportler und Kunden aus aller Welt gingen im Zuhause der Dasslers ein und aus, auch, um mit Adi über die perfekten Sportschuhe zu diskutieren. Zahlreiche Freundschaften, etwa mit Sepp Herberger, entstanden. Dabei war Käthe mit ihrer Umsicht, ihrem Gespür im Umgang mit Menschen aller Nationalitäten sowie ihrer großen Integrationsfähigkeit stets der Mittelpunkt. Als Repräsentantin der Marke war sie bei den Händlern respektiert und geschätzt, ebenso von der Sportwelt und den Mitarbeitern, für deren persönliche Anliegen sie stets ein offenes Ohr hatte. Es war ihr Verdienst, dass sich Adis Genialität im Technischen auch im Kaufmännischen niederschlug.

Für Adi war Käthe die wichtigste Beraterin, die ihm zudem den nötigen Freiraum verschaffte, um sich auf seine Leidenschaft und größte Stärke konzentrieren zu können. So setzte er sich zum Beispiel akribisch mit dem Bewegungsapparat der Athleten auseinander. Außerdem übte er noch mit über 50 Jahren, wie er es immer getan hatte, zahlreiche Sportarten aus, einfach, um den Athleten ein perfektes Schuhwerk liefern zu können. Und das war nur möglich, wenn er die Sportarten kannte und möglichst viele davon selbst ausübte. Er wollte nachvollziehen und verstehen. Aus diesem Verständnis heraus entwickelte er Schuhe für Leichtathleten, Fußballer, Tennisspieler, Skilangläufer, Boxer, Basketballer, Bowler, Fechter und für viele mehr. Sogar Schuhe für Schützen waren dabei, mit denen sie beim Schießen einen besseren Stand behielten. Viele Sportler der unterschiedlichsten Disziplinen kannten vor Adi Dassler kein professionelles Schuhwerk.

Der »Chef«, wie er in der Firma genannt wurde, machte die Dinge nicht einfach anders, nein, er machte sie als Erster. In der Sportwelt sprachen sich seine Innovationen herum. Wer ein Problem mit Schuhen hatte, ging zu Adi Dassler nach Herzogenaurach. In Diskussionen mit Sportlern legte Adi seine eher introvertierte Art ab. Er sprach ihre Sprache, fühlte sich selbst als Sportler. Er hörte sich ihre Sorgen an und wollte jedes ihrer Probleme lösen. Finanzielle Überlegungen standen bei ihm an zweiter Stelle. Ambitioniert, kreativ und unermüdlich, so beschrieben ihn seine Zeitgenossen. Bei Übertragungen von Sportveranstaltungen saß er hochkonzentriert vor dem Fernseher und beobachtete genau, wie sich die Füße beim Auftreten der Sportler verhielten. Von seiner Akribie zeugen handschriftliche Notizen aus frühen und späten Jahren. Überall im Haus hatte er Schreibblöcke platziert, damit er seine Ideen und Gedanken zu jeder beliebigen Tages- und Nachtzeit festhalten konnte.

Im »Bundesligazimmer« in der »Villa« (Wohnhaus der Dasslers) treffen sich regelmässig Athleten und Mannschaften

Im »Bundesligazimmer« in der »Villa« (Wohnhaus der Dasslers) treffen sich regelmässig Athleten und Mannschaften

Käthe und Adi Dassler bei einem Firmenanlass

Käthe und Adi Dassler bei einem Firmenanlass

Adi Dassler und der Fussballer Bernd Trautmann

Adi Dassler und der Fussballer Bernd Trautmann

1954 - 1959: Stollenschuhe und Fußball-Weltmeisterschaft 1954

Dank seiner fachlichen Kompetenz wurde Adi Dassler ständiger Begleiter und Berater der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Als »Schuster der Nation« hörte er sich die Schuhsorgen und Vorschläge der Spieler an und beriet sie vor jedem Spiel bei der Wahl der richtigen Stollen, um das Schuhwerk auf das Wetter und die Platzverhältnisse abzustimmen. Legendär wurde der Satz des Bundestrainers Sepp Herberger: „Adi, stolle auf!“ Im Endspiel der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz trat Deutschland gegen den Favoriten Ungarn an. Zur Halbzeit schraubte Adi längere Stollen auf. Die deutschen Spieler behielten auf dem lehmigen, rutschigen Boden festen Stand und ihre langen Stollen kamen sauber aus dem Rasen heraus, während an den kurzen, nicht auswechselbaren Stollen der Ungarn der Dreck kleben blieb und deren Schuhe noch schwerer machte, als sie ohnehin schon waren. Die deutsche Elf gewann mit 3:2 Toren - das Spiel ging in die Geschichte als das Wunder von Bern ein. Für adidas waren die auswechselbaren Schraubstollen der endgültige Durchbruch.

Bis 1952 produzierte adidas ausschließlich Schuhe. Dann wurde eine Sporttasche das erste Nicht-Schuh-Produkt des Unternehmens. Später folgten auch Bekleidung, Bälle und zahlreiche andere Erzeugnisse - stets mit den drei Streifen markiert. 1955 wurde die Fabrik in Herzogenaurach erweitert. 1959 folgte ein Zweigwerk in Frankreich, dort übernahm Adis Sohn die Leitung. Horst teilte die Liebe seines Vaters zum Sport und legte ein großes unternehmerisches Geschick an den Tag. Die Niederlassung führte er wachstumsorientiert, stets die Steigerung der Profitabilität vor Augen.

Auch die vier Töchter Inge, Karin, Brigitte und Sigrid waren bereits früh im Unternehmen aktiv. Inge pflegte die Verbindungen mit der deutschen Sportwelt, Karin stand der Abteilung Presse, Werbung und PR vor, Brigitte kümmerte sich um den internationalen Sport und Sigrid lenkte den Textilbereich. Käthes Schwester Marianne stand bis zu ihrer Pensionierung dem Verkauf Deutschland vor und war auch Mitglied der Geschäftsleitung.

Adi Dassler und Uwe Seeler beim »Aufstollen«; im Hintergrund Nationaltrainer Sepp Herberger

Adi Dassler und Uwe Seeler beim »Aufstollen«; im Hintergrund Nationaltrainer Sepp Herberger

1960 - 1977: Weltweite Erfolge

In den 1960er-Jahren war adidas mit 550 Mitarbeitern der größte Sportschuhhersteller weltweit. Am Ende des Jahrzehnts produzierte die Marke mit den drei Streifen in 16 Fabriken täglich 22.000 Paar Schuhe, dennoch blieb Adi Dassler bescheiden. Nie suchte er das Rampenlicht, nur selten gab er Interviews. Viel lieber tüftelte er an seinen neuen Erfindungen und Weiterentwicklungen, dabei ging er präzise, pflichtbewusst, strukturiert und stets mit kreativem Geist ans Werk. Im Laufe der Jahre meldete er hunderte Patente und Gebrauchsmuster an, um sie vor der Konkurrenz, unter anderem vor Puma, zu schützen. Seine bekanntesten Innovationen: die stetige Weiterentwicklung der Schraubstollen für Fußballschuhe, Laufschuhe mit auswechselbaren Dornen für Leichtathleten, Nylonsohlen für Fußballschuhe sowie Nylonhalbsohlen, die eine deutliche Gewichtseinsparung ermöglichten. Adi widmete sich nie nur der Funktionalität seiner Sportschuhe, er hatte immer auch ein Auge auf deren Gewicht. Seit Anbeginn unterschieden sich seine Schuhe durch Geschmeidigkeit und Leichtigkeit von jenen der Konkurrenz. Um Adis Vorstellungen gerecht zu werden, unternahmen die Lederlieferanten alle Anstrengungen. Adi förderte damit die Entwicklung von dünnen, zugfesten und leichten Ledern. Die neuen Modelle wogen nur noch die Hälfte, Spitzenlaufschuhe nur noch 140 Gramm je Schuh. Doch nicht nur die Freude seiner neuen technischen Errungenschaften trieben ihn an, auch die damit verbundenen Erfolge »seiner« Athleten, denen er sich eng verbunden fühlte, waren für ihn Bestätigung und Motivation zugleich.

Schon in den frühen 1960er-Jahren hatte Adi begonnen, die Weiterentwicklung von Spitzensportschuhen in enger Zusammenarbeit mit Sportärzten und Orthopäden in Angriff zu nehmen. Dabei entwarf er auch Spezialanfertigungen für verletzte Fußballspieler und Leichtathleten. Uwe Seelers maßgeschneiderter Fußballschuh mit Fersenpolsterung und zusätzlicher Schnürung im Fersenbereich, ist wohl das berühmteste Beispiel. Ohne diesen Spezialschuh, den er 1966 im legendären Wembley-Spiel gegen England trug, hätte Seeler gar nicht spielen können, denn er hatte sich zuvor schwer an der Achilles-Sehne verletzt. Adi bewahrte ihn mit seinem Spezialschuh vor dem vorzeitigen Aus.

Dass Adi Dassler sich auch abseits sportlicher Ereignisse hohe Anerkennung verdiente, zeigte sich Ende des 1960er-Jahrzehnts, als ihm zwei besondere Ehrungen zu Teil wurde: 1968 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und 1974 der Bayerische Verdienstorden verliehen.

Kurz vor den Olympischen Spielen in Mexiko im Jahre 1968 wurden die Leichtathletik-Aschenbahnen durch Kunststoffbahnen abgelöst. Im trockenen Zustand waren die Beläge rau, bei feuchten Bedingungen aber rutschig. Die herkömmlichen, langen Spikes waren nicht mehr geeignet, weil sie im Kunststoffbelag stecken blieben. Adis Konkurrenz versuchte das Problem mit einer Vielzahl feiner Nadeln, dem »Bürstenschuh«, zu lösen, doch der Olympische Verband verbot diese Technik, weil für die Sportler eine zu große Verletzungsgefahr bestand. Adi ging einen anderen Weg, er entwickelte die stumpfen Dreikantelemente, die nicht in den Kunststoffbelag eindrangen und zudem die Achillessehne merklich entlasteten. Der daraus resultierende Medaillensegen, der dann schließlich bei den Olympischen Spielen 1972 in München über die Läufer kam, sprach für sich: 80 Prozent aller Medaillen, die in der Leichtathletik verliehen wurden, gingen an Sportler mit adidas-Schuhen. 

1971 trugen Muhammad Ali und Joe Frazier beim »Boxkampf des Jahrhunderts« im Madison Square Garden, New York, adidas-Boxerstiefel. 1972 gewann der Amerikaner Stan Smith das Tennisturnier von Wimbledon in Schuhen von Adi Dassler. Das gleiche Modell wurde Jahrzehnte später als Teil der schon legendären »Originals«-Linie wieder lanciert und sollte sich zu einem der beliebtesten Freizeitschuhe weltweit entwickeln.

In den 1970er-Jahren, als der Sport immer professioneller wurde und mehr Geld ins Spiel kam, hatte Adi wenig Verständnis für Athleten, die nur des Geldes wegen einen Ausrüster wählten. Sein Leben lang war er durch einen Wunsch geprägt: Sportler sollten seine Schuhe tragen, weil es die besten auf dem Markt waren und sie zu den größten Erfolgen tragen würden. Das Vertrauen der Sportler in Adis Erfindergeist zeigte sich auch abseits der Wettkampfarenen. 1963 fragten einige Athleten bei ihm an, ob er ihnen nicht einen praktischen Schuh herstellen könnte, den sie in den Umkleiden oder besser noch, auch beim Duschen tragen könnten. Adi Dassler konnte; das Ergebnis war die Adilette. Damals ahnte noch niemand, dass auch dieses adidas-Produkt nicht nur ein Bestseller, sondern auch ein Klassiker werden würde, den seitdem auch Nicht-Sportler gerne im Alltag tragen.

1967 ließ er die ersten Trainingsanzüge mit den ikonischen drei Streifen anfertigen, damit die Sportler auch vor und nach ihren Einsätzen funktionale Sportkleidung tragen konnten. Intuitiv legte er damit auch den Grundstein für den Einzug von Sporttextilien in den Freizeitbereich und sorgte so gleichzeitig für eine deutlichere Sichtbarkeit der Marke.

Die 1970er-Jahre waren aber nicht nur von positiven Nachrichten geprägt. Adi war nun der letzte seiner Geschwister-Generation: Am 27.10.1974 war Adis Bruder Rudolf gestorben, im Dezember 1975 der älteste Bruder Fritz. Maria, die einzige Schwester der Dassler-Brüder, starb bereits im Juli 1958 in ihrem 64. Lebensjahr.

Die legendären Boxerstiefel von Muhammad Ali

Die legendären Boxerstiefel von Muhammad Ali

Adi Dassler tauscht sich mit Sportler aus

Adi Dassler tauscht sich mit Sportler aus

1978 - 1984: Tod von Adi und Käthe Dassler und Fortführung des Lebenswerkes

1978 wurde Adi Dassler als erster Nicht-Amerikaner in die »Hall of Fame« der amerikanischen Sportartikelwelt aufgenommen. Wenige Monate später, am 6. September, starb er nach kurzer, schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie. Damit war auch der Titel »Chef« gestorben, denn so war Adi immer genannt worden. Nach seinem Tod wurde bei adidas niemand mehr mit »Chef« angesprochen.

Käthe, die bis dahin in erster Linie für den Verkauf und Export zuständig gewesen war, übernahm die Geschäftsführung. Längst war sie zur tragenden Kraft geworden, auch besaß sie mit ihrer jahrelangen Erfahrung das nötige Rüstzeug, um die Firmenleitung zu übernehmen und Adis Werk fortzusetzen. Käthe Dassler führte adidas zu weiteren unternehmerischen Erfolgen. Mit einer Tagesproduktion von mehr als 280.000 Paar Schuhen war das Unternehmen, vier Jahre nach Adis Tod, nach wie vor der größte Sportschuh-Hersteller der Welt.

Zu Beginn der 1980er-Jahre hatte der weltweite Kampf um den wachsenden Markt für Sportschuhe einen ersten Höhepunkt erreicht. Das von Adi und Käthe aufgebaute Familienunternehmen war auf diese neuen Bedingungen nicht eingestellt. Käthe erkannte die Herausforderungen, die dem Unternehmen bevorstanden und fürchtete um Adis Lebenswerk. Sie überwand die innerfamiliären Konflikte und bat Sohn Horst nach Herzogenaurach zurückzukehren, um dem Unternehmen zu helfen. Horst Dassler setzte seinen Unternehmergeist und seine guten Beziehungen zu internationalen Sportorganisationen von da an nicht mehr nur in Frankreich, sondern wieder für den gesamten Konzern ein.

Zur Jahreswende 1984/85 erlag Käthe überraschend einem Herzleiden. Der Tod von Adi und Käthe bedeutete für das Unternehmen eine Zäsur, deren Ausmaß zu diesem Zeitpunkt kaum erahnt werden konnte.  

Käthe Dassler an ihrem Schreibtisch

Käthe Dassler an ihrem Schreibtisch

Ab 1984: Tod von Horst Dassler, Krise und erfolgreiche Gegenwart

Nach dem Tod von Käthe übernahm Horst 1985 die Geschäftsführung. Er verfolgte die Strategie des Unternehmens, adidas weiter im Lifestyle-Markt erfolgreich zu machen. Nicht mehr nur Sportler, sondern auch Popstars trugen mehr und mehr die drei Streifen. Und auch der »Sneakerkult« nahm seinen Lauf. Jung und Alt trugen Sportschuhe von adidas nun auch in ihrem Alltag.

Am 9. April 1987 starb Horst Dassler überraschend im Alter von 51 Jahren. Damit begann eine von vielen Wechseln und Kursänderungen geprägte Phase. Die Dassler-Nachkommen übergaben die operative Leitung des Unternehmens an ein Management und adidas wurde erstmals nicht mehr direkt von der Familie Dassler geleitet. Unter der neuen Führung geriet adidas in eine existentielle Krise. Dazu kam: Der Markt für Sportschuhe war gesättigt und die Konkurrenz stärker geworden. Neben dem Dauerrivalen Puma drängten nun auch amerikanische Unternehmen, wie der Weltmarktführer Nike, aber auch Reebok, nach Europa. Den wichtigen US-Markt dominierten sie ohnehin schon länger.

In Herzogenaurach hatte man außerdem den Trend »Running« verpasst. 1989 schrieb adidas einen Verlust im hohen zweistelligen Millionenbereich. Die vier Töchter von Adi und Käthe, jetzt Inhaberinnen, standen vor einer Zerreißprobe. Sollten sie mit einem Börsengang neues Kapital aufnehmen oder das Lebenswerk von Adi und Käthe Dassler verkaufen? Für die Töchter war es eine schwierige Entscheidung. Um adidas zu retten, entschlossen sie sich zum Verkauf. Der französische Unternehmer Bernard Tapie wurde mit 80 Prozent Anteil Haupteigentümer. Aber auch er vermochte die Wende nicht herbeizuführen.

Erst Robert Louis-Dreyfus, der 1993 zum Eigentümer sowie Vorstandsvorsitzenden wurde und das Unternehmen 1995 an die Börse führte, brachte adidas zurück an die Spitze der Sportindustrie.

2001 wurde Herbert Hainer Vorstandsvorsitzender der adidas AG. Zusammen mit dem langjährigen adidas-Mitarbeiter Erich Stamminger besann er sich auf die Wurzeln des Unternehmens, auf den einzigartigen Markenkern, den Adi Dassler einst hervorgebracht hatte.

adidas erkannte, dass die Herkunft und die Geschichte des Unternehmens im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz ein einzigartiges Vermarktungspotential hatten, denn im Gegensatz zu Produkten ist die Geschichte eines Unternehmens niemals kopierbar.

Seither ist adidas wieder eng verknüpft mit seinem Gründer, Adi Dassler. Jeder Schuh mit den drei Streifen trägt heute Adis kreativen Erfindergeist und seine unendliche Liebe zum Sport in sich. Und noch heute hat adidas seinen Sitz in Herzogenaurach. Mit weltweit über 50.000 Mitarbeitern und einem Umsatz im zweistelligen Milliardenbereich ist das Unternehmen der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt. 2016 erzielte adidas das beste Ergebnis seiner Unternehmensgeschichte. Beim Umsatz legte adidas um 18 Prozent auf 19,29 Milliarden Euro zu. Der größte Zuwachs seit fast 20 Jahren. Der Gewinn stieg um 59 Prozent auf knapp über eine Milliarde Euro.

Seit dem 1. Oktober 2016 ist der Däne Kasper Rørsted CEO von adidas. Geleitet von einer Unternehmensethik, welche sich bis heute eng an der des Gründers orientiert, bringen Herr Rørsted und die Mitarbeitenden von adidas zweifellos alle notwendigen Voraussetzungen dafür mit, das Unternehmen - und somit Adi Dasslers Vermächtnis - auch für kommende Generationen als führender Hersteller von Sportschuhen zu erhalten.

Das in 2011 eröffnete adidas-Firmengebäude »Laces« in Herzogenaurach

Das in 2011 eröffnete adidas-Firmengebäude »Laces« in Herzogenaurach

Die Statue Adi Dasslers sitzt nahe des Haupteingangs des »World of Sports«-Firmengebäudes

Die Statue Adi Dasslers sitzt nahe des Haupteingangs des »World of Sports«-Firmengebäudes